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Naturbahnrodeln der Sport

Naturbahnrodeln ist die ursprünglichste Sportart des Rodelns und Variante des Rennrodelns, die sich zunächst parallel mit dem Rennrodeln auf Kunstbahn entwickelte und ab den 1960er Jahren eine eigene Disziplin wurde. Waren bis in die 1990er Jahre Österreich und Italien die dominierenden Nationen im internationalen Renngeschehen, können mittlerweile auch andere Länder wie Russland,

Geschichte

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Rodelrennen ausschließlich auf verschneiten Waldwegen gefahren, die teilweise ein bis zwei Meter hohe Schneewände an den Kurvenaußenseiten aufwiesen. Ab 1910 begann man eigens für den Rodelsport Bahnen anzulegen und die überhöhten Kurven zu vereisen, um sie länger befahrbar zu machen. Die ersten Kunstbahnen waren entstanden. Da nur wenige solche Bahnen verfügbar waren, fuhr man zumeist weiterhin auf Waldstraßen, die keine überhöhten Kurven hatten. Diese Naturbahnen wiesen eine ebene Bahnsohle auf.[1] Bis in die 1960er Jahre gab es noch keine formale Trennung zwischen Kunst- und Naturbahnrodeln und die Sportler waren nicht spezialisiert. Für beide Bahntypen wurden dieselben Rodeln verwendet und das Wettkampfreglement unterschied sich nicht.[2] Wegen der geringen Anzahl von Kunstbahnen fanden die meisten Wettkämpfe auf Naturbahnen statt, erst in den 1950er Jahren wurden vermehrt Kunstbahnen gebaut. Nach der Olympiapremiere 1964 trennte sich die Entwicklung von Kunst- und Naturbahnrodeln. Alle bis dahin ausgetragenen Welt- und Europameisterschaften wurden nachträglich als Kunstbahnwettkämpfe gewertet, ungeachtet dessen, ob sie wirklich auf Kunst- oder, wie meistens der Fall, auf Naturbahn ausgetragen wurden.[2] 1966 gründete sich innerhalb des Internationalen Rennrodelverbandes (FIL) eine eigene Naturbahnkommission, die sich ausschließlich um diese Sportart kümmerte. Für den in den Alpenländern sehr populären Naturbahnrodelsport wurden eigene Wettbewerbe durchgeführt. Ab 1967 gab es den Europapokal, 1970 führte man in Kapfenberg die erste Europameisterschaft durch und 1979 wurde in Inzing die erste Weltmeisterschaft ausgetragen. Seit 1992 gibt es einen Weltcup, der in sechs Wertungsläufen pro Saison wie bei den internationalen Meisterschaften im Einsitzer der Herren und Damen sowie in einem Doppelsitzer ausgetragen wird. Daneben gibt es den Interkontinentalcup, der hauptsächlich zur Förderung des Nachwuchses dienen soll.[3] Bei Welt- und Europameisterschaften wird auch ein Mannschaftswettbewerb mit je einem Einsitzer von Frauen und Männern und einem Doppelsitzer durchgeführt. Junioren-Europameisterschaften gibt es seit 1974, Junioren-Weltmeisterschaften seit 1997. Es hat sich ein Rhythmus entwickelt, bei dem in ungeraden Jahren Weltmeisterschaften und Junioren-Europameisterschaften ausgetragen werden und in geraden Jahren die Europameisterschaft und die Junioren-WM. Seit der Saison 2014/15 gibt es als Ersatz für den Intercontinentalcup (IC-Cup) den Junioren-Weltcup (JWC) mit 4 Rennen, welche in den Klassen Junioren I und Junioren II gewertet werden. Der Internationale Rennrodelverband unternimmt seit den 1970er Jahren Versuche für die Anerkennung des Naturbahnrodelns als olympische Disziplin, scheiterte allerdings bisher bei allen Versuchen, eine Aufnahme dieses Sportes in das Programm der Olympischen Spiele zu erreichen.

Technik, Ausstattung und Fahrtechnik

Ein Naturbahnrodelschlitten besteht aus einer Sitzschale und einer Sitzmatte, zwei ungeteilten Sitzböcken, zwei Kufen und zwei Laufschienen. Die Laufschienen dürfen weder flexibel, noch quergeteilt sein. Die Außenkanten müssen eine Brechung aufweisen. Die Spurbreite beträgt maximal 450 mm (für Jugendliche maximal 400 mm). Die Breite des kompletten Schlittens darf 600 mm nicht überschreiten. Der Freiwinkel der Laufschienen darf maximal 45° bei den Einsitzern und 40° bei den Doppelsitzern und Jugendschlitten betragen. Das Gewicht beträgt maximal 20 kg für die Doppelsitzer und 14 kg für die Einsitzer.[5]

 

Die Sportler tragen spezielles Schuhwerk. Die Schuhe sind mit fest auf einer Platte montierten Spikes versehen. Länge und Anzahl der Spikes sind frei wählbar. Des Weiteren werden Schutzhelme, Rennanzüge und spezielle Handschuhe, die an Innen- und Außenflächen der Fingerteile Stahlspikes besitzen, getragen.[6]

Beim Start beschleunigt der Sportler den Schlitten mit Paddelschlägen. Gesteuert wird der Schlitten durch Gewichtsverlagerung – vor allem der Arme – mit den Füßen, sowie mit Riemen, die an den Kufenenden befestigt sind. Der Anbau von Fußstützen ist gestattet, die Verwendung von mechanischen Bremseinrichtungen untersagt.[7] Der Start erfolgt sitzend auf einer vereisten Startrampe, die mit zwei geriffelten Haltegriffen versehen ist. Am Startplatz werden Gewicht und Abmessungen des Schlittens, Temperatur der Laufschienen und die Startnummernbefestigung kontrolliert.[6] Wettkämpfer benötigen eine gültige Lizenz.[8] Fahrzeiten werden auf Hundertstel Sekunden genommen.[9] Nach Stürzen dürfen die Piloten ihre Fahrt aus eigener Kraft fortsetzen. Wettkämpfe finden bei jeder Witterung bis zu einer Temperatur von – 25 °C statt. Bei tieferen Temperaturen obliegt dem Rennleiter die Entscheidung über die Durchführung des Wettkampfes.

Quelle: Wikipedia